Verantwortung übernehmen für sich selbst

Viele Hindernisse in unserem Leben entstehen aus zu Gewohnheit gewordenen Denk-, Haltungs- und Bewegungsmustern.

“Diese Dokumentation von Wahrnehmungsvermögen, Intelligenz und Ausdauer, die von einem Manne (F. M. Alexander) ohne medizinische Ausbildung geliefert wurde, ist eines der wahrhaften Epen in der Geschichte medizinischer Forschung und Praxis.”
Nikolaas Tinbergen (Nobelpreisträger für Medizin und Physiologie)

“Das, was sich unserer Aufmerksamkeit am meisten entzieht, ist das Allernächste, das Vertraute, das, was sich immer gleich bleibt. Und dieses Allernächste sind wir selbst, unsere eigenen Gewohnheiten, unsere Verhaltensweisen …”
John Dewey, (amerikanischer Philosoph, über seine Erfahrung mit der Alexander-Technik)

“Alle wollen es richtig machen, aber niemand hält inne, um darüber nachzudenken, ob seine Vorstellung von richtig richtig ist.” F. M. Alexander

Bemerkungen im Unterricht von F. M. Alexander

Veränderung bedarf eines fortgesetzten Handelns gegen die (eigene) Lebensgewohnheit.

Du kannst nicht etwas tun, was du nicht verstehst, solange du dich daran hälst, das zu tun, was du verstehst.

Endlich sehe ich ein, dass ich, wenn ich nicht atme, atme.

Du kannst nicht durch Koordinierung deiner selbst den Gang der Natur ändern.

Jeder sagt uns ständig, was wir tun sollen, und lässt uns dabei weiterhin das tun, was wir nicht tun sollten.

Was immer jemand in seiner Vergangenheit getan hat, steht in Übereinstimmung mit der ihm gewohnten Geistesrichtung, und der Glaube an diese hindert ihn daran, sie einzutauschen gegen eine neue Ausrichtung, die man ihm zu geben versucht.

Einmal angenommen, du wärst in der Lage, durch magische Kräfte aus einem Dieb einen anderen Menschen zu machen – es würde nichts nutzen. Denn der Mann verfügte nicht über die Erfahrung, einer Versuchung zu widerstehen (nämlich der Erfahrung, auf bestimmte Reize richtig oder falsch zu reagieren, und nach einer falschen Reaktion 99 Mal richtig zu reagieren). Genau diese Erfahrung aber muss ein Dieb machen, damit er sich ändern kann.

Ihr seid hier nicht, um Übungen zu machen oder um zu lernen, etwas richtig zu machen. Ihr seid hier, um in der Lage zu sein, einem Impuls zu widerstehen, der euch ständig irreführt, und zu lernen, mit ihm umzugehen.

Die alte Vorstellung, es richtig machen zu wollen, begleitet uns noch immer – trotz der Tatsache, dass sich die Umstände geändert haben, und unser richtig falsch ist.

Alles, was ich dir zu geben versuche, ist eine neue Erfahrung.

In Present (Dan Armon 2013)

The Alexander Technique proposes that if you have an end to reach, gaining it will evoke a habitual reaction in you, which will cause you to reach your end in a wrong manner. In order to change your reaction, the technique suggests that you stop on the way towards that end, putting it aside, almost out of your mind. Then to give the directions for another use of yourself and then continue towards your end.

How is it possible though to put your end out of your mind and still keep on to it? The more the end is out of my mind, the more my inhibition becomes more real. But how is this possible when I still want to reach my end?

This becomes possible only when the end stops being an end and becomes an aim. An end closes one’s horizon as if there is nothing after it, the future then becoming a destructive element. An aim though is simply one station along your way.

Your way is timeless. It is there in each moment. In the present.

Beyond Dualism (Ivo Gurschler) [PDF]

According to John Dewey (1859–1952) the common source of all other dualisms is to consider mind and body as being separate, whereas the difference is actually rather one of degree and emphasis. Furthermore Dewey is not only convinced that it is actually necessary to do something about this relationship in order to »making it right«, but also that the method of F. M. Alexander (1869–1955) is the proper procedure to experience the continuity of mind and body in actual practice. This insistence on the value of a specific technique seems to be quite a remarkable exception in the common universe of (philosophical) discourse.

What is the best age to study the Alexander Technique (AT)? (Dan Armon 2012)

Learning to be a teacher of the AT is not just about learning a profession. It means setting out on a journey, entering into a fascinating process of change in which one discovers something extremely precious within oneself.

Teaching the AT then becomes a venture of sharing this ‘treasure’ with other people and enriching one’s own experience of it.

Joining this school therefore does not only apply to young people looking for occupation. It is by no means limited by age. Teaching the AT does not have to become one’s main source of income. Even a few lessons a week adds a very special quality to the teacher’s life.

When I studied the AT, there was a woman in my class, a medical doctor, of around the age of 60. Some years later she told me how she enjoyed teaching her neighbors in her retirement home. The AT provides great support in the process of ageing and can alleviate, even avert, the many difficulties confronting the elderly.

We would therefore like to invite people of all ages to come and experience our class for some days, and to see for themselves how this experience relates to their own particular time in life.

Alexander Technique (AT) as a dialogical method of releasing self energy (Dan Armon 2012)

There are many of methods claiming ways of self-release. From Zen to Tai Chi, Chi Gong to Yoga and Feldenkrais and many more, each one offers the practitioner a way of exercising. One practices alone and receives from time to time further instructions and advice on how to advance. In the AT however, the dialogue between practitioners sustains a special intensity and depth. Those who practice the sort of dialogue the technique proposes receive a very direct and wonderful (full of wonders) feedback. Alexander Technique practitioners create in dialogue with each other a unique experience which heightens the process of self-discovery, making its process clearer and faster. Each meeting between two practitioners “working” with each other in this way becomes a rare and precious experience, its outcome being increased flexibility, overcoming diseases, pain-relief, strength, joy.

The Alexander technique plays an active part in the search that many of us have for an alternative to the destructive and consume-oriented culture. Its experience shows that one can find a deep satisfaction within oneself, even in collaboration with others, independent of consuming matter. This the satisfaction in simply being alive

Alexander Technique practitioners who “work” with each other are like pioneers, a vanguard exploring the essence of real human meeting. Their “work” cleans this meeting from manipulations or projections, ruling or giving up, but is of listening and accepting the bare existence of one another which is a condition to love.

Alexander-Technik und Glück (Dan Armon 2010)

Alexander-Technik kann als indirekter Ansatz zur Problemlösung verstanden werden. Der direkte Ansatz, wie ihn die Schulmedizin nutzt, geht geradewegs auf Probleme, Krankheiten oder Fehlfunktionen zu und versucht sie zu lösen oder zu heilen. Die Alexander-Technik dagegen möchte lehren, wie man einem prinzipiellen Lebensproblem im Allgemeinen begegnet. Sie zeigt, wie dieses Lehren eine indirekte Wirkung auf all unsere individuellen Funktionen und Aktivitäten ausübt.

Die grundlegende Annahme dabei lautet: Es ist unmöglich, Geist und Körper in irgendeiner menschlichen Aktivität zu trennen. Das bedeutet, dass der Einfluss einer indirekten Herangehensweise gleichermaßen physisch wie geistig wahrgenommen werden kann. Das Lehren der Alexander-Technik macht es möglich, im Gebrauch unseres Selbst die faszinierende Beziehung zwischen der Macht der Gewohnheit und unserer potentiellen Freiheit zu beobachten: Die Gewohnheit, der wir unterworfen sind und die unser Verständnis von der Art und Weise, wie wir funktionieren, einschränkt – und die potentielle, hinter ihr verborgene Freiheit, die uns helfen kann, unsere Fähigkeiten zu erweitern und zu stärken. Alle unsere Fähigkeiten – auch jene, glücklich zu sein. Als Beispiel für das Glücklichsein nennt Alexander ein Kind, das seine ganze Aufmerksamkeit einzig dem Spiel widmet, welches es gerade spielt – ein Beispiel, das für die Alexander-Technik Glück definiert. Die Macht der Gewohnheit ist es, die unsere Fähigkeit begrenzt, ganz und gar in der jeweiligen Tätigkeit aufzugehen – gleich ob es sich um Sport, Musizieren oder ein anderes Tun handelt. Die Macht der Gewohnheit trennt uns von unserem “Spiel”. Wir scheitern darin, vollkommen da, ganz präsent zu sein. Wir sind uns dabei unserer tiefen Gewohnheit nicht gegenwärtig, da sie unsere Wahrnehmung und unser Verständnis von Ereignissen beeinflusst. Im Gegenteil: Diese Gewohnheitsmuster werden von uns als notwendig verstanden und angenommen, als vollkommen natürlich und richtig. Das wirklich “Richtige” aber, der freie und natürliche Gebrauch des Selbst, bleibt außerhalb unseres Blickfeldes. Mehr noch, wir sind von unseren Gewohnheitsstrukturen abhängig und vertrauen ihnen blind, wenn es um unser Funktionieren geht. Das heißt aber auch: Wir verlassen uns auf den ureigentlichen Grund für unsere Begrenzung, scheitern darin – und leiden umso mehr. Die Alexander-Technik stellt ein Werkzeug dar, mit dessen Hilfe dieser Teufelskreis durchbrochenen werden kann. Sie zeigt, wie wir unsere gewohnheitsmäßigen Reaktionen Stück für Stück vermindern können und ermöglicht es, mit unserer potentiellen Freiheit in Kontakt zu kommen. Die Aufgabe liegt also im Innern: Wenn wir uns stärker dem freien Gebrauch unseres Selbst öffnen, können wir die Qualität beeinflussen, mit der wir uns in unsere Aktivitäten begeben. Und werden glücklicher. Indem wir uns selbst zum Subjekt machen – mittels einer Technik, die es ermöglicht, uns selbst als ein niemals endendes Wunder zu entdecken – erschaffen wir darüber hinaus einen inneren Raum für das Spiel. Wir selbst werden gleichzeitig zum Spielzeug in der Hand des Kindes und zum Kind, das sich selbst Spielzeug ist: Subjekt wird Objekt. Die einfachsten Handlungen wie Sitzen oder Stehen werden auf diese Art unendlich interessant und können unsere gesamte, sowohl intellektuelle wie körperliche Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Der so entstehende innere Raum macht unser Glück unabhängiger von äußeren Einflüssen – wir werden entspannter, was Erfolg und Misserfolg angeht. Wir gestatten der Technik, dem neuen Gebrauch von Körper und Geist, immer mehr in unser Leben und unsere Tätigkeiten einzufließen. Zu unserer Überraschung werden wir feststellen, dass wir so immer ungeteilter in unseren Aktivitäten aufgehen können und darin auch erfolgreicher werden. Durch die Jahrhunderte hindurch wurde immer wieder empfohlen, uns zuallererst mit uns selbst zu befassen: “Erkenne dich selbst” war über den Eingang des Tempels in Delphi geschrieben, wo die Leute Rat für ihre Probleme suchten. Im fernen Osten entwickelten sich Meditationstechniken; dort war der innere Raum als Quelle von Stärke und Heilung bekannt. Als Patrick Macdonald Bücher über Zen las, entdeckte er Parallelen zur Alexander-Technik. Und in der Tat können wir die sie als einen weiteren Schritt der Erkundung unseres inneren Raumes auffassen. Die Alexander-Technik entstand als eine Reaktion auf die moderne menschliche Situation – und bietet essentielle Werkzeuge für jeden, der sich diesen inneren Raum wünscht. Gleichzeitig ermöglichen diese Werkzeuge dem Lehrer, seinem Schüler als Reflexionsfläche für dessen individuelle Arbeit an sich selbst zu dienen. Dabei bewegt sich diese Arbeit in einem klaren, professionellen Rahmen und hat keinerlei mythologischen oder religiösen Bezug: Sie beginnt wieder und wieder bei den einfachsten Handlungen des Lebens. Diese Arbeit spart die “großen Fragen” aus, bezieht sich aber indirekt sehr wohl auf sie. Die meisten Menschen haben ein eher automatisches und unbewusstes Verhältnis zum Gebrauch des Selbst, und unsere gesellschaftliche Prägung unterstützt dies. Wir verlieren das Interesse daran, „wie“ wir etwas tun, und wir verlieren unsere Sensibilität dem gegenüber. Wir finden keine Befriedigung in den einfachsten Dingen und jagen deshalb aufregenderen Reizen hinterher. Der innere Raum wird monoton und uninteressant – bis zu dem Punkt, an dem wir unglücklich sind. Da wir uns unseres begrenzten und sogar falschen Wissens über den Gebrauch des Selbst nicht bewusst sind, hören wir auf ihn zu erforschen. Und verhindern inneres Wachstum.

Alexander-Technik Meeting Gut Falkenhain 2010

Our summer meeting of international schools took place this year in Gut Falkenhain, approximately 100 km north of Berlin, in the rural splendor of Land Brandenburg’s Uckermark.

We were four schools: from Paris with their director Odyssee Gavoue, from Milan with Danielle Bottaro, from Kopenhagen with Karsten Moeler and us from Berlin with Dan Armon. Besides the students and accompanying assistants, many teachers came from all over Europe and Scandinavia, enriching this now well-established Alexander Technique gathering. We were honored to host, and profit from their experience and guidance, our senior guests Linda and Sheike Hermelin, directors of a school in Tel Aviv.

Gut Falkenhein is a farmhouse beautifully situated in an undulating countryside of low hills and green fields. Its seminar room, richly adorned with paintings of various centuries, and a grand balcony opening out on to a voluptuous garden, offered an intense and generous environment for the work. The beauteous nature of the view, a wild pond animated by the flight of geese and sound of frogs and a distant horizon of an engaging terrain, all added much inspiration to the seriousness of the work. The farm was otherwise populated by animals: horses, sheep, goats, pigs, chickens, geese etc. adding to the peaceful atmosphere; the sound of machinery or traffic was far away. Just the birds…

Our meals were served in the barn beside large bales of straw, and we ate under its high ceiling accompanied by the sounds of the birds or outside in the sun. The Barn became the setting for a panel discussing on Saturday night. Our theme was: While defining our work as preventive and not curative, how do we nevertheless relate to the problems people bring to us? This talk was recorded and some of it will soon be published. Sunday night was party night. A few of the musicians formed a band, playing and singing till the early hours, and outside people sat around a big fire. To all those who have photos of this event: please send us some. It would be good to add them to this site.

We were more than 70 people in total, immersed in the beauty of our work. A blend of seriousness, serenity and humor made the event very impressive. Lets do it again!!!

Dan Armon

Die Alexander-Technik lernen (Dan Armon 2008)

Die Alexander-Technik lernt man in drei Stufen. Es beginnt mit privaten Lektionen, einmal die Woche oder häufiger, in deren Verlauf Schmerzen oder persönliche Einschränkungen des Schülers nach und nach verschwinden und die Gesundheit und das allgemeine Funktionsniveau sich verbessert.

Intensivieren lässt sich das Studium der Alexander-Technik, indem man eine Ausbildungsschule für Alexander-Technik-Lehrer besucht. Der Ausdruck “Ausbildungsschule für Alexander-Technik-Lehrer” kann hier leicht missverstanden werden. Auch wenn die Ausbildung eine Zertifizierung und den Erwerb einer Berufsbezeichnung einschließt, so ist der hauptsächliche Zweck der Ausbildung doch der, dass der Student seine persönliche Entwicklung auf einem höheren Niveau fortsetzen und den allgemeinen Gebrauch seiner selbst, den er in den privaten Lektionen gelernt hat, weiter verbessern kann. Die Fragen und Probleme, die der Schüler in den Unterricht mit einbringt, können noch grundlegender beantwortet und gelöst werden. Und natürlich kann man die Ausbildungsschule auch aus persönlichen Gründen besuchen, ohne Ambitionen zu haben, Lehrer zu werden.

Die dritte Stufe beginnt, nachdem der Student sein Zertifikat erhalten hat. Anfänger zu unterrichten und mit anderen Lehrern zusammen zu arbeiten, erweitern das Verständnis des Lehrers vom dem, was “Gebrauch des Selbst” bedeutet. Diese Erfahrung eröffnet dem Lehrer eine weites Feld des Lernens und vertieft das Verstehen seiner selbst und des Lebens ganz allgemein.

Die Alexander-Technik existiert seit nunmehr über hundert Jahren. Der Beruf des Lehrers der Alexander-Technik allerdings befindet sich immer noch in seinen Anfangsgründen. Dies liegt daran, dass die Technik hauptsächlich in privaten Lektionen oder in kleinen Gruppen vermittelt wird, und auch daran, dass es schwierig ist, denen, die keine Erfahrung mit der Technik haben und wissen wollen, worum es da gehe, in bloßen Worten zu beschreiben, was in den Lektionen geschieht.

Seit den 1950er Jahren hat die Alexander-Technik weithin Anerkennung erfahren, hauptsächlich in den USA, in England, Israel und der Schweiz. Von medizinischer Seite wird sie anerkannt und viele Ärzte schicken ihre Patienten zum Alexander-Technik-Unterricht. Eine wachsende Zahl von Krankenversicherungen schließt sie in ihre Programme ein und es gibt Lehrer und Lehrerinnen der Alexander-Technik, die in Krankenhäusern arbeiten. In den Künsten gilt die Technik als unentbehrlich und sie ist Bestandteil der Curricula vieler Musik-, Tanz- und Schauspielschulen. Firmen nutzen sie zum Wohle ihrer Angestellten und auch in sozialen Einrichtungen findet sie Anwendung. Das Wissen allerdings, um was es in der Technik wirklich geht, ist nicht sehr weit verbreitet und nur wenige verstehen, was da gelehrt wird.

Die Technik ist keine Behandlung oder Therapie. Sie dient dazu, den Gebrauch des Selbst zu untersuchen und zu lernen und dies als ein Prinzip zu nutzen, das eigene Verhalten zu betrachten, zu reflektieren und zu verfeinern. Für die Allgemeinheit ist diese Definition nicht einfach zu verstehen und der Beruf ist nicht leicht in eine bestimmte Kategorie einzuordnen. Gewöhnlich wird die Technik irgendwo zwischen Medizin, Physiotherapie, Massage, Körpertraining, Psychologie, Philosophie und Körperkultur eingeordnet. Dessen ungeachtet finden viele Menschen Hilfe bei allen Arten persönlicher und beruflicher Probleme, bei Leiden und Funktionsverlusten. Künstler, die auf der Suche nach Präzision des Ausdrucks und koordinativer Kontrolle sind, finden in der Technik ein Instrument, ihren Vortrag auf eine neue Höhe zu bringen. Künstler und Sportler, deren Arbeit besondere körperliche Anforderungen an sie stellt, erfahren Leichtigkeit in der Bewegung. Und jene, die auf der Suche nach sich selbst sind, erfahren, wie die Verbindung zwischen Körper und Geist sich erneuern kann und eine Wiederbelebung ihrer kreativen Energie.

Der Prozess, der mit dem Studium der Alexander-Technik verbunden ist, ist nicht leicht zu beschreiben. Patrick Macdonald, Alexanders damaliger Assistant und vielleicht der erfahrenste Lehrer, den die Technik je hatte, zitiert Lao-Tse: “The way that can be told is not the true way.” Dies gilt auch für den Prozess, den der Student der Alexander-Technik erfährt. Am besten ist es, Stunden zu nehmen. Und doch: wir brauchen Worte. Fühlen Sie sich eingeladen, durch die Seiten dieser Website zu stöbern.

Die Struktur des Menschen (Dan Armon 2008)

Was der Alexander-Technik zugrundeliegt, ja was sie tatsächlich erst möglich macht, ist die Tatsache, dass dem Menschen die Fähigkeit gegeben ist, ein volleres Leben zu führen. Das bedeutet, das das Ringen mit den Beschränkungen des Lebens nicht einfach eine objektive Bedingung ist, die wir zu akzeptieren haben, sondern dass es möglich ist, deren Einfluss zu reduzieren. So betrachtet reiht die Technik sich ein in eine lange Tradition von Disziplinen westlicher und anderer Kulturen und fügt dem Bestreben des Menschen, ein besseres Leben zu führen, etwas Besonderes und Einzigartiges hinzu. Dieser Wunsch nach Verbesserung ist allerdings nicht allgemein verbreitet und kaum verbunden mit den weiter verbreiteten Bedürfnissen nach Bequemlichkeit, Technik, Wirtschaft, Gemeinschaft, sondern bezieht sich auf den ganz persönlichen Gebrauch des Einzelnen.

Alexander war Schauspieler und die Heiserkeit, an der er litt, bedrohte seine Karriere. Zu seiner Überraschung entdeckte er, dass seine Heiserkeit das Resultat von Gewohnheitsmustern, welche er über die Jahre entwickelt hatte, war und nicht die Folge einer Krankheit, die ihn befallen hätte. Er selbst war der Urheber seiner Störungen, er war gefangen in dem, was er selbst entwickelt hatte und er war nicht in der Lage, einen Ausweg zu finden. Da er an die Fähigkeit des Menschen glaubte, Freiheit zu erlangen und Verantwortung für sein Schicksal zu übernehmen, ließ er nicht davon ab, eine Lösung für sein Problem zu finden.

Ein volles Leben ohne Beschränkungen durch Gewohnheitsmuster lässt sich wie folgt symbolisieren:

Der Pfeil im Kreis repräsentiert die Summe der Lebenskräfte, die den Menschen ausmachen und die sich in erster Linie durch die volle Form des Körpers ausdrücken. Der Körper dehnt sich aus zu seiner vollen Gestalt. Diese Ausdehnung endet erst dort, wo das Leben ihr objektiv die Grenzen setzt. Dieses nach außen gerichtete Streben ist dem Menschen eigen von Geburt an.

In jeder Handlung kontrahieren die beteiligten Muskeln des Körpers, und am Ende der Handlung sollten sie ihre Kontraktion beenden und zu ihrer vollen Länge zurückkehren. Aufgrund der Macht der Gewohnheit entspannen sich die Muskeln allerdings nicht einmal am Ende der Handlung vollständig. Die Anhäufung gewohnheitsmäßiger Kontraktionen führt dazu, dass sich die Statur ganz allgemein verkürzt, was einer zentripetalen Bewegung entspricht, die im nächsten Bild dargestellt wird:
Die Kombination dieser beiden Aspekte wird im nächsten Bild veranschaulicht:

Dies ist unsere Situation.

Die Arbeit in der Alexander-Technik besteht darin, die Richtung des einwärts weisenden Pfeiles umzukehren, sodass die gewohnheitsmäßigen Kontraktionen sich lösen und und der Körper in ausbreitender Bewegung seine volle Größe zurückgewinnen kann.

Das zweite grundlegende Konzept der Alexander-Technik besteht darin, dass es bei all dem, was wir tun, unmöglich ist, Körper und Geist zu trennen. Wenn ich Geist sage, meine ich sowohl das Bewusstsein als auch das Unbewusste. Die Ursache unserer Kontraktionen ist nicht nur körperlicher oder nicht nur geistiger Art, sodass auch ihre Lösung eine sowohl körperliche als auch geistige zu sein hat. Übungen allein führen nicht zur Befreiung von diesen Mustern, es bedarf bewusster Arbeit. Die Gewohnheit führt zu Handlungen, die mit unbewussten Kontraktionen verbunden sind. Und nur durch bewusste Arbeit ist es möglich, sich dieser Handlungen bewusst zu werden und sie zu unterlassen.

Für den Anfänger mag eine solche Erklärung zu abstrakt und schwierig zu verstehen sein. In der konkreten Arbeit ist es notwendig, ins Detail zu gehen und weitergehende Erklärungen zu geben. So betrachten wir die grundlegende Form des Körpers, der von sich aus das Bestreben hat, zu seiner vollen Größe zu gelangen: der Kopf leicht, oben auf dem Rumpf, ein bisschen nach vorn weisend, der Rumpf darunter, hinter dem Kopf, sich längend und weitend, was bedeutet, dass er sich in alle Richtungen ausbreiten möchte, der Hals zwischen Kopf und Rumpf, frei, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Kopf und Rumpf sicherstellend, die Glieder des Körpers sich aus dem Rumpf heraus längend. Gewohnheit führt zu dem entgegengesetzen Muster: Der Kopf wird zurück in den Nacken gezogen und liegt schwer auf der Wirbelsäule, der Rumpf verkürzt und verengt sich, der Hals versteift und verkürzt sich, die Glieder haben die Tendenz, sich in den Körper zu ziehen.

Der Student lernt, auf bewusster Ebene die Gewohnheit sich zu kontrahieren wahrzunehmen und sich selbst anzuleiten, diese Kontraktionen zu unterlassen, um so seiner Statur zu erlauben, zu ihrer vollen Größe zurückzukehren. Körperteil für Körperteil geht er mit seiner Aufmerksamkeit durch seinen Körper und gibt sich selbst Anweisungen, die ihm helfen, die Kontraktionen zu unterlassen und die einzelnen Teile ihre Freiheit wiedergewinnen zu lassen. Alle Teile des Körpers sind aufs Engste miteinander verbunden, was es unmöglich macht, einen Teil ohne die Beteiligung anderer Teile zu entspannen. Eine Arbeit, die sich auf nur einen begrenzten Teil des Körpers beschränkt, ist zum Scheitern verurteilt, da die Macht der Gewohnheit immer das System als Ganzes erfasst. Dies ist der Grund, warum der Schüler seine Anweisungen an den ganzen Körper zu geben hat, ohne aber das Bestreben zu haben, gleich das Ganze, so wie es im Bild oben dargestellt ist, erreichen zu wollen. Alexander drückt dies mit den Worten aus: Eins nach dem anderen, alle zugleich. Auch wenn die Aufmerksamkeit auf einen Teil fokussiert ist, hat der Schüler zu bedenken, dass dieser Teil mit dem Ganzen verbunden ist und dass die Arbeit darauf ausgerichtet ist, das System als Ganzes zu befreien.